Bericht von unserer Veranstaltung „Neue Nachbarn in Michendorf“

Unsere Veranstaltung „Neue Nachbarn“ am vergangenen Dienstag (16. Juni) war sehr rege besucht. Über 70 interessierte Michendorfer/innen trafen sich im Gemeindezentrum Langerwisch, um Informationen zur Lage der Flüchtlinge zu erfahren und darüber zu diskutieren, welche Unterstützung das aufzubauende Netzwerk der AG „Flüchtlinge in Michendorf“ geben kann. Einen ganz herzlichen Dank an alle, die mit dabei waren und sich eingebracht haben!

Pfarrerin Juliane Rumpel eröffnete die Veranstaltung und führte uns durch den Abend. Nach einer kurzen Vorstellung der Arbeitsgruppe folgte Jörg Stopa von der RAA Potsdam. Er gab einen spannenden Einblick in das Thema „Migration und Flucht“, zunächst aus historischer Perspektive und dann im aktuellen internationalen Vergleich, so dass schnell deutlich wurde: Die Zahl der Menschen, die derzeit weltweit ihre Heimat verlassen müssen, ist immens, aber in ihrer Größenordnung historisch gesehen nicht ungewöhnlich. Und: Deutschland nimmt im europäischen Vergleich zwar zusammen mit Frankreich die meisten Menschen auf, die eine neue Heimat suchen, im Gegensatz zu anderen, viel kleineren und ärmeren Staaten (z.B. Libanon oder Jordanien), jedoch nur einen sehr geringen Bruchteil. Wie mögen nur andere Länder diese Situation managen? (Interessierten sei an dieser Stelle auch die Website des UNHCR empfohlen!)

Der Fokus wurde dann näher auf Deutschland gezoomt und wir erfuhren, welchen (bürokratischen) Weg diese Menschen nach ihrem Grenzübertritt in Deutschland erleben müssen. Dies war sehr interessant für uns, zumal wir so besser einordnen konnten, in welcher – rechtlichen – Situation sich die Bewohner in der Michendorfer Turnhalle derzeit befinden.

An diesen informativen Vortrag knüpften die Schilderungen von Pfarrer Bernhard Fricke an, der als Flüchtlingsseelsorger in Potsdam tätig ist. Er berichtete eindrücklich aus dem schwierigen Alltag der Flüchtlinge in den Gemeinschaftsunterkünften. In der Regel werden 120 AsylbewerberInnen von einem Sozialarbeiter betreut (in der Michendorfer Turnhalle liegt der Schlüssel bei 1:100). Allein die Vielfalt an Sprachen stellt eine sehr große Herausforderung dar, um wenigstens die nötigste Kommunikation herstellen zu können. Es gibt bei den Geflüchteten aber natürlich darüber hinaus auch einen großen Gesprächsbedarf, der allein durch die hauptamtlich Beschäftigten nicht ansatzweise gedeckt werden kann. Auch die Beratung im Asylverfahren kann nicht über die Sozialarbeiter in den Einrichtungen abgedeckt werden. Es gibt z.B. in Potsdam eine Beratungsstelle der Diakonie – aber wie kommt man ohne Deutsch- und ohne Ortskenntnisse dorthin?

Von der Erläuterung der politischen und rechtlichen Hintergründe und den Erfahrungen aus der Arbeit mit Flüchtlingen wollten wir ursprünglich übergehen zur konkreten Situation in Michendorf. Dazu hatten wir Vertreter des AAfV eingeladen, der die „Notunterkunft“ in der Michendorfer Turnhalle im Auftrag des Landkreises betreibt. Kurzfristig hatte dieser seine Teilnahme jedoch abgesagt, einige Fragen mussten daher leider offen bleiben. Die Diskussion war dennoch angeregt, und teilweise konnten Fragen von den eingeladenen Referenten oder der AG FiM beantwortet werden.

Mitglieder der AG dankten für die zahlreichen Unterstützungsangebote, warben aber auch dafür, Träger und Landkreis nicht zu bedrängen und die Bewohner der Turnhalle gerade anfangs nicht zu überfordern. Es sei wichtig, Angebote und Hilfsmöglichkeiten mit dem Träger und teilweise auch dem Landkreis abzustimmen und die Kommunikation über die AG zu bündeln.

Dies führte uns zum zweiten Teil des Abends. Um die bisher geäußerten Ideen und Angebote in konkrete Maßnahmen zu führen, luden wir an sechs Thementische ein: Alltag, Spenden, Sprachen, Patenschaften, Begleitung zu Ämtern …und anderes. Hier boten sich gute Möglichkeiten zur Diskussion wie zur Bildung der ersten Arbeitsgruppen.

Im Ergebnis werden wir nun als erstes in Michendorf ein wöchentliches „Café der Begegnung“ organisieren, bei dem viele der angebotenen Ressourcen und Fähigkeiten zusammenfließen können. Die AG Sprachen hat sich verabredet, um u.a. Möglichkeiten zum Deutschlernen zu entwickeln – was, wie wir wissen, von vielen Bewohnern dringlich gewünscht wird. Ferner wird sich die AG Alltag zusammenfinden, um auf kurzem Weg mögliche Freizeitangebote in der Turnhalle bekannt zu machen und die Menschen abzuholen.Info-Abend "Neue Nachbarn"

Insgesamt ein ermutigender Abend, der mit interessanten Informationen und dank der großen Hilfsbereitschaft der interessierten Besucher mit konkreten Ansätzen für Aktivitäten punkten konnte.

Als kleines Zwischenfazit sei kurz angemerkt, dass sich an uns inzwischen über 70 Michendorfer/innen gewandt und ihr Mitwirken angeboten haben, teils auch mit konkreten Vorschlägen. Wir freuen uns sehr über dieses große Engagement! Auf diese Kontaktadressen greifen wir bereits zurück, um konkret geäußerte Bedarfe aus der Turnhalle zu beantworten. Wir konnten bisher so neben einigen gezielten Sachspenden u.a. bereits verschiedene Male kurzfristige Begleitungen im Rahmen der gesundheitlichen Versorgung sowie im Alltag organisieren, die von den Bewohnern sehr dankbar angenommen wurden.

Den vielfachen Dank der Bewohner und Sozialarbeiter geben wir gern an Sie weiter!

Sie wollen sich auch mit einbringen, haben uns aber noch nicht geschrieben? Dann finden Sie hier die Mailadresse: mail@ag-fim.de. Wichtig: Den Eintrag zum Newsletter werten wir noch nicht als „möchte aktiv mitwirken“, um diejenigen, die sich wirklich nur informieren möchten, nicht mit Unterstützungsanfragen zu belästigen. Darum schreiben Sie uns bitte kurz ein paar Zeilen, in welcher Weise Sie sich einbringen möchten, damit wir Sie dann zu den entsprechenden Arbeitsgruppen einladen können.