Bericht vom Film- und Diskussionsabend „Syrien – was tun ?“ in Michendorf und Stücken

am Dienstag, den 31.05., im Gemeindezentrum „Apfelbaum“ in Michendorf und am 
Mittwoch, den 01.06., im Landhaus zu Stücken,

von Juliane Rumpel:

 „Die Menschen haben sich nicht auf den weiten, lebensgefährlichen Weg von Syrien nach Deutschland begeben, weil sie sich ein ökonomisch besseres Leben dort erhofften. Materiell ging es ihnen gut in Syrien – bis der Krieg ausbrach. Die Menschen sind auf der Flucht vor dem Krieg zu uns gekommen. Und sie werden weiterhin versuchen zu fliehen, solange dieser Krieg andauert.“

Ein Abend über ein Volk, das auf friedliche Art und durch kreativen Protest vor mehr als fünf Jahren begonnen hat, Freiheiten zu „erkämpfen“.

Ein Abend über ein Volk, das innerhalb kürzester Zeit zwischen den verschiedensten lokalen, religiösen und globalen Kräften und Interessen zerrieben zu werden droht.

Ein Abend über ein Volk, das aus 22 Millionen Menschen besteht, von denen sich inzwischen mehr als die Hälfte auf der Flucht befinden – die meisten innerhalb des Landes, aber mehr als vier Millionen von ihnen leben nicht mehr im eigenen Land.

„Wir hatten einmal eine Zukunft – jetzt haben wir nur noch einen Traum… und Erinnerungen.“

Ein Abend, der mir einen anderen Blick auf das Land im Nahen Osten verschafft hat, als den, der seit fünf Jahren durch die mir einfach zugänglichen Medien geprägt ist: Komplex scheint da die Situation, nahezu unlösbar und schon gar nicht verständlich in ihrem Werden und in ihrem gegenwärtigen Sein, zu viele Akteure sind beteiligt, als dass ich dies von hier aus wirklich verstehen könnte. Da sind die Sunniten und die Schiiten, da ist Assad und die Rebellen, da sind die Kurden und die Türken, die Russen auch und nicht zu vergessen, die US-Amerikaner.

Dieser Abend heute „Syrien, was tun“ im Landhaus Stücken, mitten in der Brandenburger Provinz, hat mir einen anderen Blick auf dieses Land namens Syrien geschenkt. Es ist ein Land, in dem immer noch Menschen leben, Menschen, die Träume haben, Menschen, die Kinder bekommen, Menschen, die versuchen, einen Alltag zu leben, die Stadtgärten anlegen und für Kinder in belagerten Städten und Stadtteilen Karnevalfeiern organisieren. Menschen, die Klavier spielen inmitten von Trümmern.

Zwei Filme und zwei junge Syrer haben mich neben den vielen anderen auf dem Podium besonders beeindruckt: Das Filmprojekt „Bidayyat“ (Anfänge) hält die syrische Realität fest, in Syrien, in Flüchtlingslagern, dort, wo Syrer jetzt versuchen zu leben. Davon haben wir gesehen. Gehört haben wir von der Flucht zweier junger Männer, die seit 6 Monaten in Berlin leben. In nahezu perfektem Deutsch haben sie berichtet von ihrer Flucht, vom Tod des Bruders, der in Syrien blieb, von der illegalen Bügelarbeit in der Türkei, von ihrer Überfahrt mit dem Boot übers Meer, das sie selbst steuerten (weil sie so nichts dafür zahlen mussten), von den Nazis in Marzahn, von ihrer tollen Deutschlehrerin.

„Es wird Jahrzehnte, es wird Generationen dauern, das Land wieder aufzubauen. …bis sich die Menschen von diesen Erfahrungen erholt haben. Das versteht ihr als Deutsche vielleicht besonders gut.“

Ein Abend, der mir eindrücklich gezeigt hat: Es gibt keine einfache Antwort auf die Frage, wie in Syrien wieder Frieden werden kann. Aber es gibt vielfältige Möglichkeiten, die syrischen Menschen zu unterstützen: Die, die in Syrien geblieben sind und die, die hierher kommen. So können wir alle einen Beitrag dazu leisten, dass aus dem Traum der Syrer wieder eine Zukunft für Syrien werden kann.

Und die Antwort dieses Abends auf die Frage „Was können wir für die hier Ankommenden tun?“ ist so simpel wie überzeugend: Öffnen Sie Ihre Herzen und Ihre Türen, laden Sie die Menschen ein – ermöglichen Sie ihnen, Kontakte zu knüpfen!

Über die gegenwärtige Lage in Syrien informieren Portale wie www.adoptrevolution.org. Die Nonprofit-Organisation „Bidayyat“ und die mit ihrer Unterstützung produzierten Kurzfilme finden Sie unter http://bidayyat.org. Das Plakat zu unserer Veranstaltung finden Sie hier.